Der Islam

 

"Eine gute Tat ist die, die auf dem Antlitz des anderen ein Lächeln erscheinen läßt." - Mohammed

Der Islam, was im Arabischen so viel bedeutet wie „Unterwerfung“ oder auch „völlige Hingabe an Gott“, ist die zweitgrößte Weltreligion und hat mehr als 1,6 Milliarden Anhänger, die  Moslems oder auch Muslime genannt werden. Der Name „Islam“, wurde nicht nach einer bestimmten Person oder nach einem Volk benannt, so wie es im Christentum, Buddhismus und dem Judentum der Fall war, sondern nach der tatsächlichen Bedeutung des Wortes. Der Islam ist also nicht auf eine bestimmte Person oder Gruppe bezogen, sondern allein auf den Glauben an Gott. Diese Bedeutung soll allen Menschen der Erde übermitteln, dass jeder, der diese Eigenschaft beansprucht und zukünftig sein eigen nennt, ein Muslim werden kann. Laut dem Koran ist die Annahme des Islams als Glauben das Zeichen göttlicher Erwählung. Das heißt das Menschen, die den Islam angenommen haben, diese Gnade allein Gott zu verdanken haben. Im Islam gibt es nur einen wahren Gott und das ist „Allah“, Mohammed ist sein Prophet. In mehr als 100 Ländern leben Muslime, die meisten Anhänger sind unter anderem in Indonesien, Pakistan, Indien und in arabischen Ländern vertreten. In Europa leben fast 15 Millionen Muslime, 4 Millionen davon in Deutschland.

Delhi Jama Masjid

Entstehung des Islams

Der Islam ist eine von drei Religionen, die einen Gott anerkennen. Sie wurde im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Propheten Mohammed verbreitet. Nach der arabischen Überlieferung beginnt die Geschichte des Islams mit einer Erscheinung des Engels Gabriel am Berg Hira in der Nähe von Mekka. Dort erhielt Mohammed durch den Engel Gabriel den Auftrag, den einzig wahren Glauben zu predigen. Mohammed war  ein einfacher und sterblicher Mensch, der mit seinen Lehren verspricht, dass diejenigen, die den Gesetzen Allahs folgen, ein glückliches und friedliches Leben führen werden. Zudem war er  der letzte und wichtigste einer Reihe von Propheten. Selbst die biblischen Gestalten Abraham, David, Isaak, Jakob, Moses und auch Jesus wurden von Allah geschickt um als Prophet den rechten Glauben zu verkünden.  Muslime glauben, dass Allah über jeden Menschen Gericht halten wird. Nach dem Tod kommen diejenigen ins Paradies, welche die Gesetze von Allah befolgt haben. Die Ungläubigen und Heuchler werden hingegen in der Hölle versinken.

Allah

Allah wird im islamischen Glauben als der einzige Gott aufgefasst. Im Koran steht geschrieben, dass Allah die Erde und den Himmel erschuf und das er vom Himmel Wasser herabregnen lässt, von denen die Menschen trinken können. Der Name „Allah“ hat weder eine Pluralform noch ein Geschlecht. Somit ist dieser Begriff im Vergleich zum Wort „Gott“ einzigartig, da das Wort „Gott“ im Plural und in der weiblichen Form existiert. Muslime beten den gleichen Gott an wie die Christen und Juden, wobei jeder eine andere Auffassung vom allmächtigen Gott hat. Allah wird als „der Schöpfer“, „Erschaffer“ und „Gestalter“ beschrieben und angesehen. Er ist auch derjenige, der die Gesetze des islamischen Glaubens erschuf, jeder gläubige Muslim hat dem Folge zu leisten. Das Bekenntnis zu Allah als den einen Gott, ist eine der fünf Säulen, die Schahada.

Jama Masjid die größte Moschee Indiens

Frauen auf Sumatra, Indonesien

Blick auf die Moschee in Pare-Pare auf Sulawesi

Mekka

Die Stadt Mekka liegt im westlichen Saudi-Arabien, hat ca. 1,5 Millionen Einwohner und ist die heiligste Stadt des Islams. Jährlich pilgern rund 2,5 Millionen Muslime zur Haddsch nach Mekka, denn jeder Muslim strebt danach, einmal im Leben bei der Pilgerfahrt diesen Ort zu erreichen. Die Kaaba ist das Heiligtum der Stadt, stellt das Haus Gottes dar und ist gleichzeitig die Gebetsrichtung aller Muslime. An der Kaaba ist ein schwarzer Stein befestigt, der einer Legende nach einmal weiß war. Durch die Sünden der Menschen hat er sich allerdings schwarz verfärbt. Muslime versuchen, den schwarzen Stein zu küssen bzw. zu berühren. Der Stein steht für die Hand Gottes und mit dem Küssen der Gotteshand erinnern die Muslime an den Eid, den sie Gott gegenüber geschworen haben. Mekka war außerdem die Geburtsstätte Mohammeds, des Propheten des Islams. Nach der muslimischen Auffassung ist Mekka auch der Ort, an dem Adam und Eva gelebt haben. Für Nichtmuslime ist das Betreten der Stadt verboten.

Koran

Der Begriff „Koran“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Lesung“ oder „Vortrag“. Der Koran ist als die „Heilige Schrift“ des Islams bekannt. Er enthält die wörtliche Offenbarung Gottes (Allah) an den Propheten Mohammed. Der Koran wurde in arabischer Sprache verfasst und dient als Hauptquelle des islamischen Gesetzes, der Scharia. Die Scharia ist ein religiöses Gesetz, dass die Gesamtheit der Gesetze, die in einer islamischen Gesellschaft zu beachten und zu erfüllen sind, enthält. Der Koran besteht aus 114 Suren, also Kapiteln, und diese bestehen aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen. Der Koran kritisiert die Verehrung anderer Wesen an Gottes Stelle. Die Bezeugung der Einheit Gottes ist der wichtigste Glaubensgrundsatz der islamischen Religion und die Verehrung anderer Gottheiten neben Allah wird unter keinen Umständen vergeben. Dies wird mit dem Eintritt in der Hölle bestraft.
Inzwischen wurde der Koran in fast alle Sprachen übersetzt, auch wenn eine perfekte Übersetzung der heiligen Schrift allerdings als unmöglich gilt, da jede Übersetzung zugleich eine Interpretation des Übersetzers enthält.

Das Gebet im Islam

Im Koran wird den Gläubigen vorgeschrieben, dass das Pflichtgebet zu fünf bestimmten Tageszeiten gehalten werden muss. Die Pflichtgebete dürfen keinesfalls unterlassen werden. Vor dem Gebet wird die rituelle Reinheit hergestellt, durch eine Waschung von Händen, einschließlich Handgelenken, von Gesicht und Nase, den rechten und danach den linken Unterarm, den Ohren und danach den rechten und dann den linken Fuß, einschließlich der Knöchel.
Die Bekleidung muss sauber und darf nicht rituell verunreinigt sein, sie muss also frei von  Blut oder Urin sein. Sowohl für Frauen als auch für Männer gilt, dass die Bekleidung den Körper verhüllen und die Körperformen und Geschlechtsmerkmale nicht betonen soll.
Während des Gebetes stehen die Gläubigen mit dem Gesicht in Richtung der Kaaba in Mekka. In Moscheen wird die Gebetsrichtung durch eine Nische in der Stirnwand des Gebäudes gezeigt. Das Gebet kann aber auch an jeden beliebigen, sauberen Platz verrichtet werden.
Beim Gebet werden sieben verschiedene Körperhaltungen eingenommen. Alle Haltungen sind mit einem bestimmten Gebetstext verbunden. Dabei entstehen Gebetsabschnitte, in denen die Bestandteile des Gebets eine feste Reihenfolge haben.

Java, moslemisch geprägte Insel in Indonesien

 

 

Die fünf Säulen des Islams

Der islamische Glaube legt sich auf fünf grundsätzliche Pflichten fest, die alle Muslime einzuhalten haben.

1. Schahàda (Den Glauben an die Einheit Allahs und das Ablegen des Bekenntnisses zu diesem Glauben.) Die Schahàda besagt, dass es keinen Gott gibt außer Allah und das Mohammed sein Prophet war.

2. Salàt (Die fünf täglichen Gebete.) Diese Gebete helfen dem Muslim, im Alltagsleben ständig der Gegenwart Allahs bewusst zu sein. Sie werden vor dem Sonnenaufgang, zur Mittagszeit, am Nachmittag, nach Sonnenuntergang und in der Nacht gehalten.

3. Zakàt (Die Wohltätigkeiten gegenüber den Mitmenschen.)  Im Islam wird großen Wert auf Großzügigkeit und Mildtätigkeit zur Annäherung an Allah gelegt. Die Zakat ist eine Art Almosensteuer für bedürftige Muslime.

4. Saum (Das Fasten im Ramadan.) Das Fasten im Ramadan führt zur Erlangung von Selbstbeherrschung, Bewusstseinserweiterung und Konzentration auf das Wesentliche.

5. Haddsch (Die Pilgerfahrt nach Mekka.) Diese Pilgerfahrt ist für jeden gesunden Gläubigen mit den finanziellen Mitteln einmal im Leben Pflicht. Die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka ist das größte Ereigniss in der islamischen Welt, weil sie Muslime aus der ganzen Welt zusammenführt.

Ramadan

Der Ramadan ist für die Muslime der Fastenmonat und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. Das Fasten im Monat Ramadan zählt zu den „fünf Säulen des Islams“ und ist damit eine der Hauptpflichten von Muslimen. Mohammed erhielt laut dem Koran seine erste Offenbarung im Ramadan und dieser Monat war auch schon in der vorislamischen Zeit als Fastenzeit bekannt. Während der Fastenzeit verzichten die Muslime von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen, Alkohol und Geschlechtsverkehr mit seinem Ehepartner.
Diese Vorschrift gilt für jeden erwachsenen und gesunden Muslim. Ältere Menschen, Schwangere oder stillende Frauen und kranke Menschen sind von der Fastenpflicht befreit. Kinder hingegen werden langsam an die Fastenzeit gewöhnt, indem sie nur einige Stunden am Tag auf Nahrung verzichten. Die Fastenzeit soll einen bewussten Umgang für das Wesentliche und den Verzicht auf das Überflüssige vermitteln.

Religiöse Gruppierungen im Islam

Innerhalb des Islams haben sich, aufgrund der religiösen und politischen Unterscheidungen untereinander, mehrere Gruppen herausgebildet.

Charidschiten: Die Charidschiten, was übersetzt „die Auszügler“ heißt, sind die älteste religiöse Strömung des Islams. Sie lehnen jegliche familiäre oder stammesmäßige Bevorzugung bei der Auswahl des Kalifen ab. Kalif bezeichnet im allgemeinen Sinn, den Stellvertreter oder Nachfolger des Propheten.
Diese Bewegung unterteilte sich wiederum in mehrere Untergruppen, von denen nur die moderate Strömung der Ibaditen bis in die Gegenwart überlebt hat. Die Ibaditen können dennoch ca. zwei Millionen Anhänger aufweisen, die vor allem in Oman, der algerischen Sahara und in Sansibar leben.

Schiiten: Die Schia ist die zweite religiös-politische Strömung des Islams. Die Schiiten sind der Meinung, dass die Prophetennachfolge nur von einem Oberhaupt der Schiiten ausgeübt werden kann. Selbst innerhalb der Schia gibt es einige Untergruppen. Die größte Gruppe sind die Zwölferschiiten, die vor allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain, Indien, Pakistan und dem Libanon weit verbreitet sind.

Sunnitentum: Die Sunniten haben große Meinungsunterschiede bezüglich der politischen Führung zwischen Schiiten und ihren Gegnern. Sie gelten als Gegenbewegung zur Schia und zur Mu‘tazila. Diese Gruppierung entstand zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert und lehrte die Unerschaffenheit des Korans. Heutzutage bilden die Sunniten mit etwa 85 Prozent die zahlenmäßig größte Gruppierung innerhalb des Islams.

Ahmadiyya: Die Ahmadiyya ist eine islamische Glaubensgemeinschaft, die sich Ende des 19. Jahrhundert herausbildete. Der Gründer dieser Gruppierung Mirza Ghulam Ahmad erhob den Anspruch, der von Muslime erwartete Mahdi der Endzeit des 14. Islamischen Jahrhunderts zu werden. Er sah sich als der „Verheißende Messias“ und als Mohammeds Nachfolger. Teile dieser Gruppierung werden, aufgrund dessen Gründer, nicht als islamisch anerkannt. Dies führte in mehreren islamischen Ländern zu Angriffen auf Angehörige dieser Sondergemeinschaft.

Gläubige in der Jama Masjid in Delhi