Der Hinduismus

In der Welt der 330 Millionen Götter und Gottheiten

Varanasi am heiligen Fluss Ganges

heilige Kuh

Hindus beten für Glück am heiligen Ganges

Der Hinduismus ist viel mehr als „nur“ eine Religion, er ist Weltanschauung und Lebensart. Schließlich richten die Hindus ihren Alltag nach dem „Santana Dharma“, nach der kosmischen Ordnung, der ewigen Religion, die alles im Universum zusammenhält. Ernährung, Reinigungsrituale und Hochzeiten werden genauso vom Hinduismus geregelt, wie Begräbniszeremonien.

Die älteste noch heute praktizierte Religion hat ihren Ursprung in Indien. Charakteristisch ist der Glaube an Ursache und Wirkung, um dadurch den richtigen Weg zu finden und so den Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt zu entkommen. Die Reinkarnation, das Sein, das unzählige Gestalten annimmt, sind obligatorische Bestandteile des Hinduismus.

In der drittgrößten Weltreligion, die über 850 Millionen Anhänger hat, verlieren westliche Besucher schnell den Überblick über die Götter des Hinduismus. Kein Wunder, schließlich verehren die Hindus insgesamt 330 Millionen Gottheiten.

Um Ihnen den Einstieg in die religiöse Vielfalt zu erleichtern, geben die nachfolgenden Zeilen und Seiten einen Überblick über den Wirrwarr Hinduismus.

Die Entstehung des Hinduismus

Der Ursprung des Hinduismus, eine der ältesten Religionen der Welt, liegt in Indien. Vor über 4.500 Jahren lebte ein Volk der Ureinwohner Indiens am Indus, einem Fluss, der von Tibet durch das Himalaya Gebirge bis nach Pakistan fließt. Um 1.750 v. Chr. kamen die Arier, ein Nomadenvolk aus Zentralasien, nach Indien. Obwohl die Arier militärisch über die Ureinwohner herrschten, drang der Glauben dieser immer weiter in den indoarischen Glauben ein – eine Religion, die heute als Hinduismus bekannt ist, entstand.

Die Arier brachten auch das Kastensystem mit nach Indien, die sich den Ureinwohnern gegenüber höher stellen wollten, die zur damaligen Zeit die niedrigste Kaste einnahmen.

Im 13. Jahrhundert, als die Muslime nach Indien kamen, entstand dann schließlich der Begriff Hinduismus, der allerdings weniger etwas mit der Religion zu tun hatte, sondern seinen Ursprung in der Bezeichnung des Volkes hatte. Der Begriff „Hindus“, wie das Volk das an den Ufern des Flusses Indus lebte genannt wurde, stammt aus dem Iranischen. Nur meinten die Muslime zum Anfang mit der Bezeichnung Hindus nicht die Menschen, sondern den Fluss. Denn Hindus ist Iranisch für Indus. Erst im Laufe der Zeit wurde das iranische Wort immer mehr für die Bevölkerung benutzt.

Über die Jahrhunderte hat sich Hinduismus in ganz Asien ausgebreitet, wurde aber immer mehr vom Buddhismus verdrängt. Heute leben die meisten Hindus in Indien, aber auch in Bangladesch, Nepal, Sri Lanka und auf der indonesischen Insel Bali gibt es eine große Anzahl an Anhängern des Hinduismus. Berühmte Zeitzeugen der Hindu-Kultur finden sich mit den wunderschönen Tempelanlagen von Angkor auch in Kambodscha.

Die Bedeutung des Hinduismus

Da die meisten Hindus nicht nur an einen Gott glauben, in einigen Abwandlungen des Hinduismus gibt es sogar einen Hauptgott und mehrere Nebengötter, sind über die Zeit unendlich viele Gottheiten entstanden. Dabei reichen die Zahlen von drei bis 330 Millionen. Der Grund dafür ist, dass alle Gottheiten aus den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva entstanden und nur Inkarnationen, also andere Erscheinungsformen dieser Götter sind.

Dabei ist Brahma der Schöpfer und mehr eine göttliche Kraft als eine Gottheit. Vishnu ist der Erhalter, der Gott der Güte, während Shiva der Zerstörer ist, der das alte vernichtet und so Platz für Neues schafft. Zu den ausführlichen Informationen zu den Hindu Göttern gelangen Sie hier.

Was alle Hindus in der Fülle der Götter gemeinsam haben, ist der Glaube an Brahma, an die Reinkarnation, also Wiedergeburt und die Erlösung. Im Hinduismus gibt es ein Leben nach dem Tod, sowohl Menschen als auch Tiere und Pflanzen sind nur eine Hülle, in der die Seele lebt.

Ob der Kreislauf der Wiedergeburt, Samsara genannt, durchbrochen werden kann, hängt von der Anzahl guter und schlechter Taten jedes Einzelnen im Leben ab. Die Gesamtheit dieser Taten wird als Karma bezeichnet. Es lässt sich sagen, dass uns das Karma zwingt, immer wiedergeboren zu werden, um die Probleme, die wir uns selbst geschaffen haben, im nächsten Leben zu lösen.

Um ihre Götter zu ehren, pilgern die Hindus jährlich zu den zahlreichen heiligen Städten. Zu den sieben heiligsten Städten in Indien gehören  Ayodhya, Haridwar, Mathura, Dwarka, Ujjain, Varanasi und Kanchipuram. Besondere Bedeutung haben die Orte Haridwar, Ujjain, Nasik und Allahabad, in denen alle zwölf Jahre die Kumbh Mela, das größte und bedeutendste Hindufest der Welt, stattfindet.

Masken verschiedener Hindu Gottheiten

Schon in der Begrüßung zwischen den Indern schwingt ein Hauch von Glauben mit. Denn das Wort Namaste bedeutet so viel wie „der Gott in mir grüßt den Gott in dir“ und ist das beste Beispiel dafür, dass im Hinduistischen Glauben jedes Lebewesen etwas Göttliches in sich hat.

Die heilige Kuh

Dem Glaube der Hinduisten, dass sie auch als Tier wiedergeboren werden können, ist es zu verdanken, dass viele Hindus Vegetarier sind. Dabei nimmt die Kuh eine besondere Stellung ein. Der indische Name für die Kuh lautet aghnya, was im Deutschen die Unantastbare heißt. Sie wird von den Hindus verehrt und auch als „Mutter“ bezeichnet, da sie Milch für die Nahrung gibt, als Zugtier dient und ihr Dung als Bau- oder Heizmaterial verwendet wird.

Dazu kommt, dass der Legende nach der Gott Krishna einst zu seinem Schutz in einer Hirtenfamilie mit Kühen aufwuchs und diese damit auch eine göttliche Bedeutung bekamen.

Wer heutzutage auf den Straßen Indiens unterwegs ist und das bunte Treiben beobachtet, wird schnell merken, dass zwischen den Autos, Rikschas und Ochsenkarren auch die Kühe frei herumlaufen. Denn die heiligen Kühe können in Indien nahezu uneingeschränkt ihre Wege gehen und gehören dadurch unbestreitbar zum Bild Indiens.

Der Hinduismus als Lebensweisheit

Kennzeichnend für den Hinduismus ist die Toleranz. Andere Religionen werden respektiert, genauso, wie der Weg eines jeden Menschen anerkannt wird, auch wenn er anders abläuft, als der eigene. Es geht im Hinduismus nicht darum, einen Glauben oder eine Lebensweise aufzuzwingen, es geht darum, dass jeder einzelne seinen Weg zur Erlösung findet.

Unterstützend gibt es auch im Hinduismus Lebensregeln, so genannte Dharmas, die zum einen die Ordnung in der Gesellschaft regeln und zum anderen den Weg zur Erlösung aufzeigt. Dazu gehören beispielsweise die Gewaltlosigkeit, nicht zu stehlen, nicht zu lügen, zufrieden zu sein, sich zu bilden sowie die rituelle, geistige und körperliche Reinheit.

Aus dem Hinduismus geht auch das Kastensystem hervor, welches noch heute gültig ist. Die vier ursprünglichen Kasten sind die der „Brahmanen“ (Priester), die der „Kshatriyas“ (Adlige und Krieger), die der „Vaishyas“ (Arbeiterschicht aus Bauern, Händlern und Handwerkern) und die der „Shudras“ (Knechte, Diener und Untergebene). Hinzu kommt die Kaste der Unberührbaren, der „Parias“.

Aus diesen Kasten haben sich im Laufe der Zeit und der wirtschaftlichen Entwicklung weitere Kasten entwickelt, die als Berufsgruppen verstanden werden können.