Vishnus zehn Inkarnationen

Als einer der drei Götter der Dreifaltigkeit nimmt Vishnu eine bedeutende Rolle im Hinduismus ein. So erscheint er in den verschiedenen Erdzeitaltern, den sogenannten Yugas, immer als andere Gestalt. Er kam immer nur dann zum Vorschein, als etwas Böses die Welt und damit das Dharam bedrohte. Das Dharam steht für Ethik, Moral, Recht und Sitte. Insgesamt gibt es zehn Erscheinungsformen, auch Avatare genannt, von Vishnu.

Der Avatar Matsya

Im ersten der vier Zeitalter der hinduistischen Mythologie, im Saty Yuga, kam Vishnu als Fisch auf die Welt. Es heißt, dass König Manu tausende Jahre schwere Buße tat und als er eines Tages wegen einer rituellen Waschung am Fluss war, schwamm ein kleiner Fisch in seine Hände. Der König wollte ihn schon zurück ins Wasser werfen, als ihn der Fisch bat, sein Leben zu retten. Daraufhin setzte er den Fisch in einen Wasserbehälter, der Fisch wuchs und das Gefäß wurde zu klein. Daraufhin warf der König den Fisch in den Fluss, wo er weiter wuchs. König Manu setzte ihn daraufhin in den heiligen Ganges und dann in das Meer. Schließlich verstand Manu, dass der Fisch Lord Vishnu höchstpersönlich ist. Daraufhin erschien Vishnu ihn mit einer besonderen Bitte. Der König sollte ein Boot bauen und sieben weise Einsiedler, Samen aller Pflanzen und je ein Tier jeder Art mit an Bord nehmen, denn in sieben Tagen würde die Welt von einer immensen Flut zerstört werden. Vishnu selbst würde als Fisch erscheinen, um das Boot zum Berg Himavan zu schleppen, damit die Insassen des Bootes dort bis ins nächste Zeitalter überleben können. Der Gott hielt sein Wort und der König band Matsya mit der Schlange Vasuki, die er als Seil benutzte, vor sein Boot. Am Berg Himavan warteten sie, bis das nächste Zeitalter anbrach.

 Der Avatar Kurma

Vishnu als Inkarnation Krishna

Kurma ist eine Meeresschildkröte, deren Geschichte im Mythos des „Aufschäumen des Milchozeans“ beruht. Die Geschichte erzählt von dem langen Kampf zwischen Göttern und Dämonen. Die Götter verloren ihre Kraft, nachdem der Kriegsgott Indra eine Girlande, die er von einem Weisen geschenkt bekommen hat, achtlos wegwarf. Daraufhin verfluchte der Weise die Götter, weshalb die Devtas (Halbgötter) Vishnu um Rat fragten. Dieser sagte, dass sie Medizin in den Milchozean schütten und diesen danach aufschäumen sollen. Als Schneebesen diente der Berg Mandara. Um den Berg anheben zu können, brauchten Sie die Hilfe von den Asuras, himmlische Dämonen. Als Dank sollten sie den Nektar der Unsterblichkeit erhalten. Als Seil, um den Berg zu bewegen, diente die Schlange Vasuki. Indra bat die Asuras, dass die Götter das Kopfende der Schlange übernehmen, was die Dämonen als Hinterlist verstanden, weshalb sie selbst den Kopf übernahmen. Durch diese List Indras wurden die Dämonen aber, dem Gift der Schlang ausgesetzt,  schnell schwächer. Während des Schlagens des Ozeans drohte der Berg schließlich zu versinken, weshalb sich Vishnu in eine Meeresschildkröte verwandelte und unter den Berg schwamm, um ihn so an der Wasseroberfläche zu halten. 1.000 Jahre lang sollen die Götter so den Milchozean aufgeschlagen

 haben, bis endlich die Schale mit dem Nektar der Unsterblichkeit erschien. Die Asuras schnappten sich sofort die Schale und Vishnu änderte erneut seine Gestalt. Er nahm die Gestalt einer Apsara, einer schönen Frau, die halb Mensch und halb Gott ist, an und überzeugt die Dämonen, dass sie den Nektar verteilen darf. So kam es, dass die Devatas als erstes bedient wurden. Sobald das geschehen war, verschwand die Frau auch sofort und Asuras blieben betrogen und völlig geschwächt zurück.

Der Avatar Varaha

In dieser Legende ist Vishnu in seiner dritten Inkarnation ein Eber. Der Dämon Hiranyaksha musste durch lange Meditation und Askese einen Wunsch von Lord Brahma erfüllt bekommen. Daraufhin wünschte er sich, dass ihn weder ein Tier, ein Gott oder ein Mensch jemals töten könnte. Um das festzuhalten, verfasste er eine Liste mit den Lebewesen, auf der allerdings der Eber fehlte, was ihm zum Verhängnis werden sollte. Hiranyaksha zog zerstörend und plündernd durch die Welt und zog die Erde hinab ins Patala loka, in die Unterwellt und verschwand mit ihr unter der Meeresoberfläche. Der Dämon stahl sogar die heiligen Veden von Brahma, als er schlief und begann schreckliche Verbrechen. Um die Veden zurückzuerhalten und die Welt vor dem Bösen zu retten, verwandelte sich Vishnu in einen Eber, der schnell größer wurde und an Kraft gewann. Mit seinen beiden Eckzähnen konnte er die Welt anheben und aus dem Ozean herausheben. Danach tötete er den Dämon Hiranyaksha und nahm ihn die Veden ab, die er anschließend sofort zurück in die Obhut von Lord Brahma gab. Durch die Hauer des Ebers wurden auch die Gebirge, Landschaften und Gewässer geformt, die wir heute kennen.

Der Avatar Narasimha

Die Inkarnation Narasimha ist eine Gestalt halb Mensch und halb Löwe, die Hintergrundgeschichte ähnelt der des Avatars Varaha. Hiranyakasyapa, der König der Dämonen, hat den Wunsch, unsterblich zu sein und ewig jung zu bleiben. Deshalb tat er Lord Brahma zu ehren schwer Buße. Die Götter hatten Angst, was auf sie zukommen würde und baten deshalb Brahma, den Dämon von seinem Wunsch abzubringen. Aber Brahma was so sehr beeindruckt von den Taten des Dämonenkönigs, dass er ihm einen Wunsch gewährte. So erfüllte er Hiranyakasyapa den Wunsch, dass er weder von einem Mensch, noch von einem Tier getötet werden kann, weder bei tag noch bei Nacht, weder innerhalb eines Hauses, noch außerhalb. Der Dämonenkönig hielt sich seitdem als größten aller Götter und es ging sogar so weit, dass andere Gottheiten nicht mehr verehrt wurden durften. Doch der Sohn Hiranyakasyapas selbst war ein treuer Anhänger Vishnus, weshalb sein Vater sehr wütend war und mehrere Male die Ermordung seines Sohnes Prahlada in Auftrag gab. Aber Prahlada entkam immer unverletzt, was den König der Dämonen nur noch wütender machte. So befahl er seinen Sohn, dass er ihm Lord Vishnu zeigen solle. Als er sagte, dass Vishnu überall ist, warf sein Vater zornig eine Säule um und fragte Prahlada, ob Vishnu auch darin sei. Als Antwort auf diese Frage erschien Vishnu in der Gestalt eines Löwenmenschen aus der Säule, die weder im, noch außer Haus war. Glücklicherweise war es Abend, also weder Tag noch Nacht und so konnte Vishnu Hiranyakasyapa ohne Mühe töten und seinen Anhänger das Leben retten.

Der Avatar Vamana

In der Geschichte von Vamana wird Vishnu in eine Priesterfamilie hineingeboren. Denn der Enkel Prahladas, Bali, war ein sehr tapferer und mächtiger Dämon, der die ganze Welt eroberte. Deshalb hatten einige Götter Angst, das Bali alle drei Welten erobern könnte. Deshalb baten sie Vishnu um Hilfe, der dann als Zwerg Vamana in eine Brahmanenfamilie hineingeboren wurde. Während er aufwuchs, ging er zu Bali und bat um Almosen und der Dämon war bereit ihm alles zu geben, was er sich wünschte.  Balis Priester warnten ihn, dass es sich bei dem Zwerg um Vishnu handelte, doch vergebens. Vamana bat um lediglich so viel Land, wie unter seine drei Füße passte und der Dämon stimmte zu. Sofort wuchs Vishnu und bedeckte mit zwei Schritten den Himmel und die Erde. Da nun kein Platz mehr vorhanden war, stellte er den dritten Fuß genau auf Bali und drückte ihn so in die Unterwelt Patala loka zurück

Der Avatar Parashurama

Parashurama ist die Verkörperung Vishnus als Brahmane. Er kam als ein Priester auf die Welt, um sich an der Kaste der Eroberer, den Kshatriyas, zu rächen, da sie immer arroganter wurden und die Kaste der Brahmanen unterdrückten.  Er wurde als Kind von Jamadagni und dessen Frau Renuka geboren du gehörte damit dem Brighu Clan an. Er trug immer eine Axt bei sich, die er von Lord Shiva geschenkt bekam, den er zutiefst verehrte. Einst besuchte der mächtige König Kartavirya Jamadagni, als dieser nicht zu Hause war und stahl nach einem Mahl die Kuh Kamadhenu, der man nachsagt, dass sie unendlich viel Milch gibt und ihrem Besitzer alle Wünsche erfüllt. Als Jamadagni zurückkam und von dem Vorfall erfuhr, machte er sich wütend auf dem Weg zum König, brachte ihn um und brachte die Kuh zurück. Daraufhin tötete der Sohn des Königs Kartavirya Jamadagni, worüber Parashurama so wütend war, dass er den Tod seines Vaters rächte und in insgesamt 21 Schlachten alle Mitglieder der Kaste der Kshatriyas tötete.

Vishnu als Avatar Buddha

Der Avatar Rama

Die Hauptfigur im Epos Ramayana ist Rama, der den idealen Charakter, Sohn, Ehemann und König – also die rundum ideale Person – verkörpert. Rama wurde auf die Erde gesandt, um den Dämon Ravana zu besiegen, der von Lord Brahma Schutz gegenüber allen himmlischen Wesen, darunter auch die Götter, erhalten hat. Ravana war zu eingebildet um zu glauben, dass er von einem Menschen besiegt werden könnte. So wurde Rama geboren und seine Frau wurde Site, die eine Manifestation von Lakshmi, der Gefährtin von Lord Vishnu, ist. Der Ramayana ist eine lange Geschichte über den Krieg, den Rama gegen das Böse in der Welt führt, die mit dem Kampf gegen den Dämon Ravana endet. Der Ramayana wird unter gläubigen Hindus als das Sinnbild für das ideale Verhalten angesehen. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Beziehungen zwischen Vater und Sohn, zwischen Mann und Frau, sondern auch die Regeln für die ideale Regierung eines Volkes durch einen König.

Der Avatar Krishna

Krishna ist die Hauptfigur im größten epischen Werk der indischen Mythologie, dem Mahabharata. In diesem Buch werden unzählige Themen abgedeckt, die von Liebe, über Krieg bis hin zur Politik reichen. Es wird die Geschichte zweier konkurrierender Familien, den Pandavas und den Kauravas, die blutsverwandt sind, erzählt. Ein Teil des Werkes ist ein Vortrag Krishnas, den er seinem Schüler Arjuna hält. Dieser Teil heißt Bhagvadgita und wird erzählt, während sich die beiden Familien bekriegen. Als Krishna noch ein Kind war, war er für die Ermordung des Königs Kamsa, der auch sein Onkel war, verantwortlich. Krishna wird in der indischen Mythologie auch als Frauenheld dargestellt, der sich gern mit den Hirtenmädchen vergnügt. Die Themen, die im Mahabharata behandelt werden, sind im allgemeinen bodenständiger als die Im Ramayana, es geht um Politik, menschliche Natur und Schwäche, die Charaktere werden nicht als ideales Sinnbild dargestellt.

Der Avatar Buddha

Wer hätte gedacht, dass auch Buddha, das Oberhaupt des buddhistischen Glaubens, eine Inkarnation Vishnus darstellt. Einige Glaubensrichtungen des Hinduismus glauben das zumindest. Als Kronprinz Kapilavastu geboren, wurde er von seinem Vater Siddhartha, was so viel bedeutet wie „alle Dinge erfüllend“, genannt. Kurz nach seiner Geburt starb seine Mutter die Königin, weshalb der kleine Kronprinz von seiner Schwester Prajapati groß gezogen wurde. Schon während seiner frühen Kindheit wollte er wissen, weshalb sich die Lebewesen gegenseitig töteten, was ihn sehr traurig machte. Da er mit keiner Antwort, die ihm gegeben wurde, zufrieden war, wollte er selbst die absolute Wahrheit herausfinden und verließ daraufhin seine Frau und sein Kind, um als Einsiedler im Wald in Askese zu leben. Er verzichtete auf den Thron, um die ganze Welt zum Frieden zu führen. Eines Tages wurde der Gründer des Buddhismus erleuchtet und seine Predigten dienen als Grundlage für den buddhistischen Glauben.

Der Avatar Kalki

Die Besonderheit des Avatars Kalki ist, dass er bisher noch nicht erschienen ist, denn Kalki lebt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Er wird als Maschinenmann beschrieben, der auf einem Schimmel mit brennendem Schwert angeritten kommen wird. Zudem ist er die letzte Inkarnation Vishnus und wird am Ende des jetzt laufenden Zeitalters, der Kali Yuga, erscheinen. Seine Aufgabe wird es sein, alle Missetäter der Erde zu bestrafen, die Welt zu zerstören und sie so zurück ins goldene erste Zeitalter, ins Satya Yuga, zu führen. Das Kali Yuga dauert insgesamt 432.000 Jahre und begann vor gerade einmal etwa 5.000 Jahren. Es heißt außerdem, dass Kalki erscheinen wird, wenn die Flüsse Saraswati, Yamuna und Ganges ausgetrocknet sind.

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