Sehenswürdigkeiten in Hué

Parfümfluss

Wer sich nach Huế sehnt,
Wer auf den Ngự Bình geht,
Wer zum Sông Hương geht, der geht gerne,
Das Wasser des Sông Hương umschmeichelt dich ewig,
Die Vögel des Ngự Bình kehren zurück zu ihren Lieben,
Geliebter, oh Geliebter, wenn Du mich vermisst, komm bitte auch zurück!
                                                         (Lied von Duy Khanh)

Der Parfümfluss ist auch unter dem Namen „Fluss der Wohlgerüche“ und im Vietnamesischen unter „Song Huong“ bekannt. Es ranken sich mehrere Legenden um die Entstehung des Namens. Liegt es an den wohlriechenden Edelhölzern, die einst über den Fluss transportiert wurden? Oder stammt der Name vom angenehmen Geruch der Blüten und Pollen, die im Frühling auf dem Wasser treiben? Bootsfahrten auf dem Fluss führen vorbei an mehreren Sehenswürdigkeiten wie der Pagode der Himmelsgöttin (Thien Mu Pagode, siehe unten), dem Tempel der Muttergöttin und einigen Königsgräbern.

Thien Mu Pagode

Die Pagode der Himmelsgöttin liegt auf einem Hügel am Ufer des Parfümflusses. Erzählungen zufolge erschien die Himmelsgöttin dem damals herrschenden Ngyuen Fürsten an dieser Stelle und so ließ er ihr zu Ehren genau hier einen Tempel errichten. Mehrfach wurde dieser beschädigt und durch Überschwemmungen, Unwetter und Taifune schwer nahezu zerstört. Nach der Restaurierung baute man 1844 einen siebenstöckigen Stupa auf den Platz vor dem Tempel. In jeder Etage befindet sich eine andere Buddha-Figur. Zu beiden Seiten des sich nach oben verjüngenden Stupa steht ein Pavillon. Im rechten befindet sich eine ca. 2,5 Meter hohe Stele auf dem Rücken einer Schildkröte, beides aus feinstem Marmor gefertigt. Chinesische Inschriften erzählen Geschichten über den Platz und den Tempel. Im linken Pavillon befindet sich die größte Glocke Hués, sie wurde einst jeden Morgen geschlagen und konnte bis in eine Entfernung von 10 km gehört werden. Sie wurde aus 3,2 Tonnen Bronze gegossen und erreicht einen Durchmesser von 1,4 Meter und eine Höhe von etwa 2,5 Meter. Durch die Dreiflügelige Tür, zu deren beiden Seiten Wächterstatuen stehen, kommt man in den Hof der Pagode, wohinter sich das Kloster befindet.
Sicher fällt Ihnen hier der alte Oldtimer auf, in dem sich ein Mönch 1963 selbst verbrannte. Zu seinen Ehren errichtete man Ende der 1990er Jahre ein Grab im hinteren Teil der Anlage.

 Königsgräber der Nguyen-dynastie

Grab von König Minh Mang (1820-1841)

Es ist mit einer Fläche von ca. 45 Hektar die größte Grabanlage in der alten Kaiserstadt Hué und wurde von dem 2. König der Nguyen Dynastie noch zu Lebzeiten entworfen. Noch während der Regentschaft von 1820-1841 begann man mit dem Bau, vollendet wurde die Anlage nach dem Tod Minh Mangs von seinem Nachfolger Thieu Tri. Wunderschön angelegte Gärten, Hügel, kleine Teiche mit Pavillons und kleine Tempel schmücken das chinesisch inspirierte Grabmal. Besucher betreten das Grab Minh Mangs durch das Rechte Roe Tor, der anschließende Weg der Stelen mit Wächterfiguren führ zum Stelenpavillon. Das Zentrum der Anlage ist der Tempel der Siegreichen Wohltat, der sich hinter dem Tor der Glorreichen Tugend auf einer dreistufigen Plattform befindet. Dieser rot und gold lackierte Bau wurde zur Verehrung König Minh Mangs erbaut und bilde das Herzstück seines Grades. Hinter dem Tor des Königlichen Weges führen drei Brücken über einen Teich zum Pavillon der Klarheit, der mit wohlriechenden Frangipani-Bäumen gerahmt wurde.
Den hinteren Teil der gesamten Grabanlage bildet der See des Neumondes, über den man zum eigentlichen Grabhügel gelangt. Dieser ist heute ummauert und die Bronzetür, die einst den Eingang zum Grab des König Minh Mangs darstellte, ist verschlossen wurden.

 

Grab von König Tu Duc (1847-1883)

Das Grab des Tu Duc ist sicher eines der schönsten und beeindruckendsten Grabstätten in Hué, nicht nur wegen der Weitläufigkeit, die zweifelsohne sehr eindrucksvoll ist. Es ist die Ruhe du der Frieden, die man hier an jeder Stelle genießen kann. Ein riesiger Teich mit einer eigenen Insel zum Jagen, einfache Holzgebäude, die mit Blick auf das Wasser erbaut wurden, und die belassene Natur in der gesamten Anlage machen das Grab Tu Duc zu einem ganz besonderen. Die Wege sind größtenteils noch ursprünglich belassen und verleihen einem Spaziergang durch die zauberhafte Anlage einen ganz speziellen Charme.
Tu Duc war von 1847-1883 der vierte König der Nguyen Dynastie, keine anderer regierte länger als er. Da er trotz 100 Konkubinen kinderlos war, adoptierte er Söhne aus der königlichen Familie, um seine Nachfolge zu sichern. Bereits 16 Jahre vor seinem Tod war die Anlage seines späteren Grabes fertiggestellt, es arbeiteten zeitweise mehr als 7.000 Arbeiter für ihn.
Anders als andere Könige gefiel Tu Duc seine Grabanlage so gut, dass er hier jahrelang lebte. Er konnte hier Zuflucht vor den strengen Hofregeln und die Harmonie, die er in seinem Land so vermisste, finden.
Heute betritt man die Anlage durch das Tor des Bescheidenen Ereignisses. Rechterhand findet man den großen See des Bescheidenen Bewahrens, in dem sich die Tinh Khiem Insel befindet, die der König einst zum Jagen von Hasen nutzte. Auch der Pavillon des Bescheidenen Schwebens und der Pavillon der Bescheidenen Vorausschau haben hier ihren festen Platz gefunden. Letzteren nutzte Tu Duc zum Lesen, Dichten und Meditieren, hier fand er die Stille, die er vor dem anstrengenden Alltag brauchte. Vom See führt eine breite Treppe zum Tor des Palastes der Bescheidenheit und dem einstigen Wohnkomplex des Königs.  Durch die Halle des Bescheidenen Friedens, die Tu Duc einst als Audienz- und Studierzimmer nutzte, erreicht man den Innenhof. Hier befinden sich die Halle des Bescheidenen Rückblicks, in welcher einst die Kleider aufbewahrt wurden, außerdem die Halle der Bescheidenen Ehrlichkeit (das ehemalige Schlafzimmer des Königs) und die Halle der Bescheidenen Reinheit, in der man private Theaterstücke für den König aufführte.
Das Grab Tu Ducs liegt weiter im Norden der Anlage. Man durchschreitet zuerst den Ehrenhof mit mehreren Wächterstatuen und dem Stelenpavillon, in dem sich die größte Stele Vietnams befindet. Auf Ihr wurden 500 chinesische Zeichen eingraviert, die das Leben und die Persönlichkeit Tu Ducs beschreiben sollten. Normalerweise werden diese Wort von den Söhnen des Verstorbenen verfasst, doch Tu Duc widersetzte sich dieser Tradition und diktierte die Inschrift selbst. Er beschreibt sich hier als sehr bescheidenen, moderaten Menschen, der „der Mitte zugeordnet“ war.  Es schließt sich der See des Neumondes an, welcher die letzte Barriere zum Grabmal des Königs Tu Duc darstellt. Das Grab selbst ist von hohen Mauern umgeben.

 

Grab von König Khai Dinh (1916-1926)

Das Kaisergrab des Khai Dinh ist eine Überraschung, wenn man an die Weitläufigkeit der Grabanlagen von u Duc und Minh Mang denkt. Khai Dinh legte während der Planung mehr Wert auf hochwertige Baustoffe, so verwendete er Zement und nicht Holz wie seine Vorfahren. Auch wurden bunte Mosaikscherben genutzt.
Das Grab Khai Dinhs befindet sich etwa 10 Kilometer außerhalb Hués und wurde an einen Hügel gebaut, auch das nimmt bei den Königsgräbern in Hué eine Sonderstellung ein.
Er war der zwölfte König der Nguyen Dynastie und wurde einst als „Marionettenkönig“ bezeichnet, da er nicht mehr die Macht ausführen konnte wie seine Vorgänger, somit hatte er nur noch repräsentative Zwecke. Da er in engen Kontakt zu Frankreich stand und dort auch einige Zeit lebte, ist es nicht verwunderlich, dass die Bronzefigur, die auf einem Podest über der Grabkammer Khai Dinhs steht, 1922 in Frankreich gefertigt wurde.
1920 war Baubeginn des Grabmahls, elf Jahre später wurde das Grab von Khai Dinhs Nachfolger/Sohn Bao Dai beendet (er war der letzte König der Nguyen Dynastie). Ebenso wie viele andere Gräber wurde auch bei Khai Dinh die typische Dreiteilung beim Bau berücksichtigt. Der König entschied sich, sein Grabmal auf drei verschiedenen Ebenen zu erbauen, die durch insgesamt 109 Stufen miteinander verbunden sind. Auf der ersten Ebene findet man auf der rechten und linken Seite jeweils ein Wachgebäude. Über 26 Stufen erreicht man die zweite Ebene, auf der man die steinerne Ehrenhalle mit Statuen von Pferden, Elefanten und Mandarinen besichtigen kann. In der Ehrenhalle befindet sich eine Stele, deren eine Seite beschriftet ist.  
Die oberste Ebene beherbergt die eigenetliche Vorhalle mit angeschlossener Grabhalle. Im typischen Rokoko-Stil erbaut und mit Pilaster und Bögen europäischer Art verziert, kann man auch hier den französischen Einfluss spüren. Die Innenwände der Grabhalle sind mit aufwendigen Mosaiken aus Glas, Keramik und Porzellan verkleidet und bieten Besuchern einen faszinierenden Anblick. Die Bronzestatue von König Khai Dinh steht auf einem Podest direkt über der Grabkammer, dahinter befindet sich der Altar zur Verehrung des Königs. IN einem Nebenraum werden zahlreiche persönliche Gegenstände des Königs ausgestellt, darunter viele Geschenke aus Frankreich.